9. Juni 2023
Harry Belafonte, Unicef Germany Honorary Award for Child Rights, Pressekonferenz und Preisuebergabe, Akadenie der Kuenste, Pariser Platz in Berlin

Harry Belafonte ist tot

Der Schauspieler, Produzent, Autor und Sänger, Bürgerrechtler und UNICEF-Botschafter Harry Belafonte ist tot. Im Alter von 96 Jahren starb er am 25. April 2023 in New York.

Als Harold George Bellanfanti Jr. kam er am 1. März 1927 ebenda zur Welt.

Harry Belafonte wuchs im New Yorker Ghetto in Harlem und auf Jamaika auf (sein Vater stammte aus Martinique, seine Mutter aus Jamaika). Nach der High School diente er bei der US Navy. Ein Theaterbesuch während dieser Zeit weckte sein Interesse an der Schauspielerei. Ende der 40er Jahre schrieb er sich an der „New School for Social Research“ einschrieb.

Schon Anfang der 50er Jahre gelang ihm der Durchbruch.

Er bekam eine eigene Fernsehshow, trat mit karibischen Folksongs auf, brachte den Amerikanern die Calypsomusik bei und erhielt erste Rollen in Kinofilmen. Seine Karriere umfaßt einen Zeitraum von 70 Jahren! Zu den bekanntesten Filmen gehören u.a. „Carmen Jones“ (1954), „Beat Street“ (1984, als Produzent), Pret-a-Porter (1994) und BlacKkKlansman (2018).

Seinen großen Durchbruch als Sänger schaffte er ab 1956 mit seiner Calypso-Musik.

Mit Liedern wie dem „Banana Boat Song“, „Island In The Sun“ oder „Matilda“ löste er eine regelrechte Calypso-Welle aus. Sein Bühnenprogramm war dagegen vielseitig, es gab auch Swing-Musik und Musical-Songs zu hören. Außerdem nahm er andere, noch unbekanntere Musiker mit wie Nana Mouskuri und Miriam Makeba.

Anfang der 80er Jahre gehörte er zu den Initiatoren der Spendenaktion für Afrika.

Er sprach mit  Lionel Richie, Michael Jackson und Quincy Jones über die Idee, eine Benefizsingle für die hungernde Bevölkerung in Afrika aufzunehmen. Daraus wurde die millionenfach verkaufte Single „We Are The World“ und das folgende Album.

Was heute vielleicht etwas in Vergessenheit geraten ist:

Harry Belafonte war einer der engsten Freunde und Weggefährten von Dr. Martin Luther King. Er engagierte sich auch für den Kampf gegen Apartheid, den Vietnamkrieg und den Irak-Krieg. In den 80er Jahren war er Teil der Friedensbewegung und trat auf großen Demonstrationen auf. Ab 1987 war er dann Botschafter des Guten Willens für UNICEF. In dieser Funktion kam er auch 2011 nach Berlin.

Harry Belafonte, Unicef Germany Honorary Award for Child Rights, Pressekonferenz und Preisuebergabe, Akadenie der Kuenste, Pariser Platz in Berlin.
Harry Belafonte, Unicef Germany Honorary Award for Child Rights, Pressekonferenz und Preisuebergabe, Akadenie der Kuenste, Pariser Platz in Berlin.

Im Laufe seiner langen Karriere erhielt Belafonte zahlreiche Preise, u.a. den „Grammy“, „Tony“, „Emmy“, einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk, dazu zahlreiche „Golden Schallplatten“ für sein mehr als 150 Millionen verkauften Tonträger.

Harry Belafonte war drei Mal verheiratet. Er hinterließ vier Kinder und fünf Enkel. Seine Tochter Shari wurde ebenfalls Schaspielerin. Für „The Player“ (1994) standen sie gemeinsam vor der Kamera.

Pamela Belafonte, Harry Belafonte, Gina Belafonte, Unicef Germany Honorary Award for Child Rights, Pressekonferenz und Preisuebergabe, Akadenie der Kuenste, Pariser Platz in Berlin.
Pamela Belafonte, Harry Belafonte, Gina Belafonte, Unicef Germany Honorary Award for Child Rights, Pressekonferenz und Preisuebergabe, Akadenie der Kuenste, Pariser Platz in Berlin.

All jenen, die mehr über den Menschen, Künstler und Aktivisten erfahren wollen, sei die Doku „Sing Your Song“ (2011) empfohlen. Nahezu gleichzeitig erschien auch seine Autobiografie „My Song“, die er ein Jahr später auch persönlich in Deutschland vorstellte.

Berlin, 01.04.2012, Harry Belafonte - My Song, Buchpremiere und Lesung, Volksbuehne - Motiv: Harry Belafonte, , [Foto: Christian Behring]
Berlin, 01.04.2012, Harry Belafonte – My Song, Buchpremiere und Lesung, Volksbuehne – Motiv: Harry Belafonte, , [Foto: Christian Behring]

© Christian Behring im April 2023