Calexico, Burns und Convertino, Zavala, preview 2017

CALEXICO – Neues Album – Neue Tour

Am 26. Januar 2018 veröffentlichten CALEXICO ihr neuestes Werk. „The Thread That Keeps Us“ ist inzwischen ihr 10. Studio-Album. Im März 2018 werden sie die neuen Songs bei fünf Shows in Deutschland live vorstellen (s.u.).

Kaum eine andere Band steht so sehr für Indie-Rock wie CALEXICO. Wobei man das auch gleich wieder einschränken, oder besser gesagt erweitern muss. Denn von Anfang an haben Joey Burns und John Convertino ihre Musik mit Stilelementen anderer Musikrichtungen angereichert. Typisch vor allem für die Musik von CALEXICO ist ihre Nähe zur mexikanischen Mariachi-Musik. Immer wieder tauchen aber auch Anleihen aus Country-, Folk-, Americana- oder Jazz-Musik in ihren Songs auf. Irgendjemand hat ihre Musik einmal als „Tucson-Desert-Rock“ beschrieben.

Treffend daran ist eigentlich nur der Ort Tucson als zentraler Lebensmittelpunkt und Inspirationsquelle für ihre Musik. Wobei das mit dem aktuellen Album auch nicht so ganz zutrifft, denn für das neue Album sind CALEXICO gemeinsam mit ihrem langjährigen Produzenten Craig Schumacher nach Kalifornien gegangen. Genauer gesagt, in das PANORAMIC HOUSE. Das Studio befindet sich in der Nähe von San Francisco, direkt an der Küste mit Blick auf das offene Meer. Die Band fühlte sich dort richtig gut aufgehoben. „Je offener ein Studio ist, desto mehr kommt das Der Dynamik unserer Musik zu Gute“, so Joey Burns. Zwischen den Aufnahmesessions unternahm er immer wieder ausgedehnte Wanderungen und ließ sich dabei von der weiten offenen Landschaft, den Klippen und dem Meer inspirieren. Ein wenig erahnen kann man das auch allein mit dem Blick auf das Coverbild.

Calexico, The Thread That Keeps Us, cover, 1504182040264312

Nach wie vor sind CALEXICO dieselbe Indie-Rock-Band, die sie auch vor 15 oder 20 Jahren waren. „The Thread That Keeps Us“ spannt den Bogen aber wieder etwas weiter.  Zum typischen Tucson-Desert-Rock gesellen sich die ebenso bekannten und beliebten Mariachi-Klänge, harter düsterer Blues-Rock, Space-Rock, Latin Jazz und Disco-Pop. In Bezug auf die Vermischung verschiedenster Musikstile kann man also sagen, ein typisches CALEXICO-Album.

Für Fans, die offen sind für Experimente und sich gerne überraschen lassen – und das sind sicher alle Fans und Freunde der Band – könnte es genau das Richtige sein. Für alle anderen wird es sicher schwierig, sich mit diesem Album anzufreunden.

Die größte Überraschung, oder vielleicht sogar der größte Schock dürfte „Under The Wheel“ sein. Feinster Disco-Pop, angereichert mit Elementen aus House, Mariachi und Funk. Unweigerlich fragt man sich, ob hier Nile Rodgers und Daft Punk ihre Hände mit im Spiel hatten. Mit der richtigen Promotion und dem Remix eines bekannten DJs könnte das sogar ein Hit für die Tanzflächen werden. Aber wollen sie das überhaupt…!?

Völlig abgedreht, aber auf eine ganz andere Art und Weise, kommt „Another Space“ daher. Spacig, psychedelisch, funkig, jazzig, groovend, energetisch – ein Song wie auf Droge möchte man meinen. Als wenn die Musiker ein paar Ecstasy-Pillen eingeworfen hätten.

Der totale Kontrast folgt auf dem Fuße: „Unconditional Waltz“. Eine akustische Gitarre, dazu Bläser, bei deren Klängen  im Kopf sofort ein Heile-Welt-Alpenpanorama entsteht.

Mehr Kontrast kann man sich fast nicht mehr vorstellen. Wenn nicht kurz darauf mit „Dead In The Water“ ein düsterer Blues-Rock á la Black Keys folgen würde. Durch welche Hölle sind CALEXICO gegangen, um so zu klingen? Das kann doch unmöglich Joey Burns sein, der dort singt!

Dazu kommen noch einige typische Indie-Folk-Rock-Nummern. Etwas sparsam dagegen gehen sie mit den von vielen so geliebten Mariachi-Klängen um. Mit „Flores Y Tamales“ gibt es auf dem Album leider nur diesen einen Song in spanischer Sprache und voller lateinamerikanischer Rhythmen und Lebensfreude. Traurig aber gleichzeitig voller Hoffnung auf ein gemeinsames Leben in einem Haus, nicht getrennt von einer Grenze. Man könnte sagen, ein politisch unkorrektes  Liebeslied. Gleichzeitig tolle Werbung für das mexikanische Gericht TAMALES, das man bei uns bisher kaum kennt.

Man darf gespannt sein, welche der  Songs sie auf ihrer Europa-Tour präsentieren werden.

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So sieht der Tour-Fahrplan von CALEXICO aus:

09.03. Große Freiheit Hamburg, DE

10.03. Tempodrom Berlin, DE

11.03. Muffathalle Munich, DE

13.03. Auditorium Parco della Musica Roma, IT

14.03. Alcatraz Milano Milan, IT

16.03. Estragon Bologna, IT

17.03. Fri-Son Fribourg, CH

18.03. X-Tra Zurich, CH

19.03. Posthof Linz, AT

21.03. Im Wizemann Stuttgart, DE

22.03. L’Epicerie Moderne Feyzin (Lyon), FR

23.03. E-Werk Cologne, DE

24.03. De Roma Antwerp, BE

25.03. Paradiso Amsterdam, NL

27.03. Elysee Montmartre Paris, FR

28.03. Trinity Centre Bristol, UK

29.03. O2 Shepherd’s Bush Empire London, UK

29.03. Down the Rabbit Hole Beuningen, NL

Quelle: CITY SLANG/Hinkle/Zavado

© Christian Behring im Januar 2018