Michael Kiwanuka, Berlin, 02.12.2012, Konzert

Einfach KIWANUKA – Nichts weiter

Michael Kiwanuka veröffentlicht mit seinem dritten Album, das schlicht und einfach unter seinem Namen erschien, ein weiteres, großartiges Werk. Meisterwerk sagen die einen. Die anderen, die „Love & Hate“ als DAS Jahrhundertwerk beschrieben haben, halten es eher für einen Rückschritt, den Anfang vom Abstieg oder als Selbstverwirklichungswerk des Produzenten Danger Mouse.

Ich finde, es ist ganz einfach ein tolles Album.

Es zeigt einen Künstler, der sich von Album zu Album weiterentwickelt. Und es ist als Album ein in sich geschlossenes Werk. Dadurch, dass die Songs oft auch ineinander fließen hat es für mich als Gesamtwerk eine höhere Wertigkeit gegenüber den beiden Vorgängeralben.

Für mich ist da durchaus eine Weiterentwicklung erkennbar. Okay, wenn man jetzt das Album in einzelne Songs unterteilen will, ist da außer dem Opener „You Ain’t The Problem“ keiner erkennbar, der besonders heraussticht. Aber war das denn bei Konzeptkünstlern jemals anders?

Dafür kann man das Album bis zum Ende in einem Rutsch durchhören. Das ist doch gerade das, was ein gutes Album von einer Sammlung beliebiger Songs unterscheidet. Dass sie den Hörer mitnehmen auf eine akustische Reise, ohne, dass man auf den Gedanken kommt, diese vorzeitig abzubrechen. Ganz im Gegenteil. Je länger man zuhört, desto hypnotischer wirkt die Musik. Man möchte fast meinen, er hätte „Love & Hate“ auf den Kopf gestellt, brauchte er für „Cold Little Heart“ doch mehr als 5 Minuten, ehe es richtig los ging.

Auf dem neuen Album dagegen wird es von Song zu Song ruhiger, meditativer. Wobei vom Sound her ist es eher der Soul der 70er Jahre, an dem er sich hier orientiert. Auf jeden Fall voll elektrifiziert. Die Gitarren sind oft überdreht, dazu jede Menge Hall, hart angeschlagene Bässe, scheppernde Schlagwerkzeuge. Dazu himmlische Chöre und – nicht zu vergessen – die vielen elektronischen Instrumente, die einen eher an TripHop erinnern. Gerade die instrumentalen Übergänge sind es, die an den Sound von MASSIVE ATTACK erinnern. Aber dann kommt wieder so ein Titel wie „Living in Denial“ oder auch „Hero“. Da ist man dann gefühlt doch näher am elektrifizierten Soul, der in den 70ern durch Leute wie Isaac Hayes, Bobby Womack oder Stevie Wonder aufkam.

Michael Kiwanuka, Berlin, 02.12.2012, Konzert

Michael Kiwanuka, Berlin, 02.12.2012, Konzert

Er selbst beschreibt das Album so:

„Das letzte Album kam von einem introspektiven Ort und fühlte sich wie eine Therapie an. Hier geht es mehr darum, mich wohl zu fühlen, so wie ich bin und zu fragen, was ich sagen möchte. Wie kann ich mutig sein und mich selbst und den Zuhörer herausfordern? Es geht eher um triumphale als um melancholische Selbstakzeptanz. Es ist ein Album, das erforscht, was es bedeutet, heute ein Mensch zu sein.“

„KIWANUKA“, das am 01. November veröffentlicht wurde, ist in diversen speziellen Formaten & Bundles, u.a. als Vinyl, oder auch persönlich signiert von Michael Kiwanuka, erhältlich.

Michael Kiwanuka KIWANUKA - CMS Source

Trackliste

  1. You Ain’t The Problem 04:10
  2. Rolling 02:52
  3. I’ve Been Dazed 04:25
  4. Piano Joint – Intro (This Kind Of Love) 02:18
  5. Piano Joint – Main (This Kind Of Love) 03:52
  6. Another Human Being PJ Lid 01:52
  7. Living In Denial 03:31
  8. Hero 04:39
  9. Hard To Say Goodbye 07:06
  10. Final Days 04:11
  11. Interlude (Loving The People) 02:42
  12. Solid Ground 03:53
  13. Light 05:51

 

Michael Kiwanuka, Berlin, 02.12.2012, Konzert

MICHAEL KIWANUKA – Deutschland-Termine

  1. November 2019 | Köln, Essigfabrik
  2. Dezember 2019 | Berlin, Huxley‘s
  3. Dezember 2019 | Frankfurt, Batschkapp

 

 © Christian Behring im November 2019