Sam Teskey (guitar, vocals), Liam Gough (drums), Josh Teskey (vocals, guitar), (auf dieser Tour ohne Bassist Brendon Love), "TESKEY BROTHERS", Showcase, bei Universal Music in Berlin, 11.07.2019

The Teskey Brothers – Band der Stunde

The Teskey Brothers kann man wohl zu Recht als die Band der Stunde bezeichnen. Die Australier sind gerade auf Tour, um ihr zweites Album „Run Home Slow“, das am 2. August 2019 erscheint, zu promoten. Seit 14 Tagen geht es für sie einmal rund um die Welt: von Australien nach England, in die USA, wieder nach England und jetzt für ein paar Tage nach Deutschland. In den USA hatten sie gerade ihren ersten Fernsehauftritt. Bei „Good Morning America“ spielten sie zwei Titel live in der Sendung. Prompt landete ihr Debüt-Album „Half Mile Harvest“ aus dem Jahr 2017 direkt auf Platz 5 der iTunes-Charts.

THE TESKEY BROTHERS – das sind neben den Brüdern Josh (Gesang, Gitarre) und Sam Teskey (Gitarre, Gesang), Liam Gough (Schlagzeug) und Brendon Love (Bass, Gitarre).

Die Vier kommen aus einem Vorort von Melbourne und kennen sich seit der Kindheit. Gut 13 Jahre machen sie jetzt schon zusammen Musik. Die hört sich allerdings eher danach an, als kämen sie aus Memphis, Chicago oder Detroit. Und genauso wenig nach Musik aus dem 21. Jahrhundert, sondern vielmehr, als stamme sie aus den späten 60er oder frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Ganz eindeutig haben Josh, Sam, Liam und Brendon eine Vorliebe für Blues- und Soul-Musik dieser Ära. Genauso wie für Technik aus dieser Zeit. Ihren ersten Probenraum, den sie nach und nach zu ihrem ersten eigenen Studio ausbauten, haben sie mit analoger Technik ausgestattet. Inzwischen sind sie mit dem Studio in ein eigenes Gebäude umgezogen. Besonders stolz sind sie aber immer noch auf ihre alte Studer-A80-Bandmaschine. Im Video zu „Pain And Misery“ kann man dies alles selbst sehen.

Nicht nur das unterscheidet die Vier von den meisten anderen Bands, die man so kennt. Zehn Jahre lang haben The Teskey Brothers unter der Woche in ihren „normalen“ Berufen gearbeitet, abends geprobt und am Wochenende Konzerte gegeben.

2017 wurde dann zu einem Wendepunkt in ihrem Leben. „Half Mile Harvest“ entstand.

The Teskey Brothers, Half Mile Harvest, Cover

 

Die 10 Songs haben sie nicht nur allein in ihrem Studio eingespielt. Alle Songs haben sie gemeinsam geschrieben. Für die Aufnahmen und die Abmischung verantwortlich ist Sam Teskey, für die Produktion Brendon Love. Lediglich für die Bläser, Streichinstrumente und ein paar andere Einlagen holten sie sich einige Gäste ins Studio. Herausgekommen ist eines der grandiosesten Alben der letzten Jahre. Ihre Musik wirkt wie aus der Zeit gefallen. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, ein Album aus der Hochzeit des Blues und Soul vor sich zu haben. Selbst das Artwork passt dazu. Josh singt, als wäre er bei Wilson Picket und John Fogerty in die Schule gegangen.

Gleich der Opener „Crying Shame“ ist einfach grandios. Allein deshalb würde es sich lohnen, das Album zu kaufen. Aber mit „Say You`ll Do“ schließt ein noch phantastischerer Titel an. Soul vom Feinsten! Tolle Arrangements, Platz für kleine Soli, genau so, wie man es von den großen Meistern kennt. Mit „Pain And Misery“ und „Shiny Moon“ folgen zwei weitere Soul-Nummern, bevor es mit „Reason Why“ einen ersten Ausflug in Richtung Blues gibt. Nach einem weiteren Soultitel geht`s dann mit „Louisa“ und „Till The Sky Turns Black“ ab in Richtung Blues-Rock. Und auch hier stellen The Teskey Brothers ihre Klasse unter Beweis. Sie klingen, als kämen sie aus dem tiefsten Süden Amerikas. Mit „Honeymoon“ packen sie zum Schluß sogar noch eine „lange Rille“ auf das Album. Und zwar so, als wäre es ganz normal, einfach mal 11:43 Minuten zu jammen.

Da scheint es dann nur logisch, dass diese Band, die so viel Qualität besitzt, von den Scouts der Plattenfirmen und Konzertveranstalter nach Europa und Amerika geholt wurde. „Es ist ein irres Gefühl – wir landen in einem fremden Land, und da sind Hunderte von Menschen, die ein Ticket kaufen, um uns live zu sehen“, sagt Josh„Die Dinge haben sich schnell verändert, und daran mussten wir uns gewöhnen. Aber es ist aufregend, sich in diesem Strom treiben zu lassen, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht.“

Und jetzt, zwei Jahre später, wollen sie mit ihrem neuen Album die großen Bühnen erobern. Bei ein paar Festivals in England haben sie das schon geschafft….

Noch bis September 2019 kann man sie auf den Festival-Bühnen in ganz Europa live erleben. Am Donnerstag gaben sie ein Kurz-Konzert im Foyer von UNIVERSAL MUSIC in der Stralauer Allee. Die Bilder findet ihr auf meiner Photo-Webseite. Das Interview mit ihnen findet ihr demnächst hier.

Half Mile Harvest  (2017)

The Teskey Brothers

Glassnote Records / Decca Records / Universal Music

© Christian Behring, 12.07.2019