"Berlinische Galerie: Neuerwerb "Bacchant" von Lovis Corinth", Pressekonferenz, Berlin, 13.07.2021

Lovis Corinth: Der Bacchant – Neu in der Berlinischen Galerie

Einen großen Bahnhof für ein Bild gab es am Dienstag, 13. Juli 2021 in der Berlinischen Galerie: „Der Bacchant“ von Lovis Corinth wurde als bedeutender Neuerwerb vorgestellt.

Gekommen waren dafür neben dem Direktor der Berlinischen Galerie, Dr. Thomas Köhler und Dr. Stefanie Heckmann, der Leiterin der Sammlung Bildende Kunst Berlinische Galerie, auch Jens-Rainer Jänig, Vorstandsvorsitzender des Förderverein Berlinische Galerie, Prof. Monika Grütters, Staatsministerin der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Gerry Woop, Staatssekretär für Europa.

Jens-Rainer Jänig (Vorstandsvorsitzender Förderverein Berlinische Galerie), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin der Bundesregierung für Kultur und Medien), Dr. Thomas Köhler (Direktor Berlinische Galerie), Gerry Woop (Staatssekretär für Europa), und Dr. Stefanie Heckmann (Leiterin Sammlung Bildende Kunst Berlinische Galerie), "Berlinische Galerie: Neuerwerb "Bacchant" von Lovis Corinth", Pressekonferenz, Berlin, 13.07.2021 (Photo: Christian Behring)

Jens-Rainer Jänig (Vorstandsvorsitzender Förderverein Berlinische Galerie), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin der Bundesregierung für Kultur und Medien), Dr. Thomas Köhler (Direktor Berlinische Galerie), Gerry Woop (Staatssekretär für Europa), und Dr. Stefanie Heckmann (Leiterin Sammlung Bildende Kunst Berlinische Galerie), „Berlinische Galerie: Neuerwerb „Bacchant“ von Lovis Corinth“, Pressekonferenz, Berlin, 13.07.2021 (Photo: Christian Behring)

„Der Bacchant“ ist Teil eines insgesamt 11 Bilder umfassenden Zyklus, den Lovis Corinth in den Jahren 1913 – 1914 gemalt hatte.

Der gesamte Zyklus war ein Auftrag des Berliner Industriellen Ludwig Katzenellenbogen und seiner Frau Estella. Diese besaßen in der Nähe von Oranienburg das Rittergut Freienhagen. Für den Festsaal beauftragten sie Lovis Corinth ursprünglich damit, Landschaftsbilder anzufertigen. Corinth enschied sich aber dafür, dem Anlass des Raums entsprechende Bilder aus der griechischen Mythologie anzufertigen. Rausch und Extase – mit den Themen hat er sich auch schon früher beschäftigt. Durch eine satirische Überhöhung, kühne Kompositionen und seinen freien Farbauftrag fand er einen neuen Zugang zu den klassischen Themen und schaffte es, sie in die Gegenwart zu transportieren.

Das Bild „Der Bacchant“ erzählt aber auch noch eine andere Geschichte: nämlich die seiner wechselnden Besitzer.

Im Besitz der Eheleute Estella und Ludwig Katzenellenbogen befanden sich die Corinth-Bilder nur gut 15 Jahre. Der Auftrag für Lovis Corinth kam durch den einflußreichsten Kunsthändler jener Zeit, Paul Cassierer, zustande. Dieser war seinerzeit mit der allseits bekannten Schauspielerin Tilla Durieux verheiratet. Aber kaum, dass Ludwig Katzenellenbogen diese erblickte, war`s um ihn geschehen. Liebe auf den ersten Blick, wie`s so schön heißt. Bis die beiden heiraten konnten, dauerte es allerdings noch. Erst 1930 wurde die Ehe der Katzenellenbogens geschieden. Tilla Durieux und Ludwig Katzenellenbogen heirateten 1931. Da Katzenenllenbogen Jude war, verließ das Paar nach 1933 Deutschland. Nachdem sie durch die Kriegswirren getrennt wurden, überlebte Tilla Durieux die Nazi-Zeit in Jugoslawien und Österreich. Ludwig Katzenellenbogen wurde in Griechenland von der Gestapo aufgespürt und starb 1944 in Berlin.

Im Zuge der Scheidung des Ehepaares Katzenellenbogen 1930 wurde der Bilder-Zyklus Estella zugesprochen.

Die lagerte die Corinth-Bilder zunächst in den Niederlanden ein, ehe sie sie nach ihrer Flucht in die USA nachholte. Später teilte sie die Bilder zwischen sich und den drei Kindern auf. Für eine große Corinth-Werkschau kamen 1976 sechs Bilder wieder nach Deutschland. Im Anschluß bekam die Berlinische Galerie die sechs Werke zum Kauf angeboten. So kamen diese schließlich 1980 nach Berlin. Die anderen fünf, zu denen neben dem „Bacchant“ auch eine „Bacchantin“ sowie drei Supraporten gehören, blieben in Amerika.

„Der Bacchant“ von Lovis Corinth konnte jetzt im Nachverkauf einer Auktion über das Auktionshaus Griesebach für die Berlinische Galerie erworben werden.

Kaum zu glauben, aber für die Berlinische Galerie ein Glücksfall, dass das Bild von Lovis Corinth in der Auktion nicht verkauft werden konnte. Finanziert wurde der Ankauf jetzt aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Landes Berlin und des Fördervereins der Berlinischen Galerie. Damit können Besucher der Berlinischen Galerie demnächst sieben der 11 Bilder dieses Zyklus eines der bedeutendsten deutschen Impressionisten ansehen.

Hier schon mal ein paar Impressionen aus der Berlinischen Galerie vom Dienstag:

Die Berlinische Galrie öffnet von Mittwoch bis Montag immer von 10 -18 Uhr

Eintritt: 10,- €, ermäßigt: 7,- €

© Christian Behring im Juli 2021