Walter Trout, Photo by Alex Solca

WALTER TROUT – DER GANZ NORMALE WAHNSINN

 Am 28. August 2020 erschien das neue Album von Bluesrock-Gitarrist Walter Trout „Ordinary Madness“.

Nach seinem erfolgreichen Album „Survivor Blues“ mit Blues-Standards von Jimmy Dawkins, Sunnyland Slim, Otis Rush, Luther Johnson, J.B. Lenoir, Hound Dog Taylor und Mississippi Fred McDowell enthält das neue Album wieder Songs, die aus seiner eigenen Feder stammen.

Der 69-jährige Musiker machte sich zunächst bei John Lee Hooker, Canned Heat und in der Band von John Mayall einen Namen. Erst in den  1990er Jahren begann er, unter eigenem Namen zu touren und Platten zu veröffentlichen. Die schwerste Zäsur kam für ihn in Form einer unheilbaren Lebererkrankung. Nur dank einer durch Spenden finanzierten Organtransplantation konnte er diese 2014 überwinden.

Danach wirkte er wie neu geboren und zeigte sich mehr denn je auf der Höhe seiner Kunstfertigkeit als Instrumentalist wie auch als Songwriter. Mit dem Longplayer „Survivor Blues” erreichte er 2019 den Spitzenplatz der Billboard Blues Charts. In der Zeitschrift Classic Rock hieß es: „Walter Trout hat nicht nur überlebt, er blüht jetzt förmlich auf!”

Nur ein Jahr später liegt nun sein neues Album „Ordinary Madness” vor.

Eingespielt wurden die elf Titel unter Produzent Eric Corne in Los Angeles, im Studio des früheren Doors-Gitarristen Robby Krieger. Die Band setzt sich zusammen aus: Bassist Johnny Griparic, Teddy Andreadis an den Keyboards und Drummer Michael Leasure. Als Gäste wirken neben Trouts Sohn Jon  die Sängerin Teeny Tucker sowie Skip Edwards (Steel Guitar), Drake „Munkihaid” Shining (Keyboards) sowie Anthony Grisham (Gitarre) mit.

Im Gegensatz zum Vorgänger-Album schlägt Trout diesmal einen weiten musikalischen Bogen über das von ihm gewohnte Bluesrock-Terrain hinaus.

Dieser reicht von elektronischen Spielereien beim Intro zu „Ordinary Madness“ bis hin zu psychedelisch anmutenden Klangmustern („The Sun Is Going Down”). Ab und an brechen sich Hardrock-Riffs ihre Bahn, „My Foolish Pride” wiederum weist starke Einflüsse der Countrymusic auf. In „Heartland“ dagegen hört man ganz klar den Einfluß von Southern Rock heraus. Aber auch Südstaaten-Boogie kann man mal raushören – eben alle musikalischen Richtungen, von den Walter Trout im Laufe seiner langen Karriere beeinflusst wurde.

In den Lyrics reflektiert Trout seine mentalen Befindlichkeiten während der jüngeren Vergangenheit, von zu Tode betrübt bis himmelhoch jauchzend: Ordinary Madness – den ganz normalen Wahnsinn eben.

Dass unmittelbar nach Fertigstellung des Albums die Corona-Pandemie mit voller Wucht über die USA hereinbrach, ist zwar Zufall – jedoch einer, der ins Bild passt. Aus alldem zieht Walter Trout seine ganz persönlichen Schlüsse: „Lasst uns einfach immer auf das Licht am Ende des Tunnels hoffen.”

Walter Trout - Ordinary_Madness_Cover

Walter Trout – Ordinary Madness

Provogue Records

  1. August 2020

Formate: 2LP / Limited CD Box / MFiT Digital

Track-Liste:

  1. Ordinary Madness
  2. Wanna Dance
  3. My Foolish Pride
  4. Heartland
  5. All Out Of Tears
  6. Final Curtain Call
  7. Heaven In Your Eyes
  8. The Sun Is Going Down
  9. Make It Right
  10. Up Above My Sky
  11. OK Boomer

 

 

© Christian Behring, im August 2020