25. Mai 2024
Michael Gwisdek, Berlinale-Studio, Berlin, 08.02.2013, Kino-Magazin,

Michael Gwisdek – Ein Rückblick

Michael Gwisdek ist tot. Am 22. September 2020 verstarb der Schauspieler nach kurzer schwerer Krankheit.

Das war die kurze Meldung, die gestern in Deutschland über die Ticker ging.

Mit Michael Gwisdek verliert Deutschland einen der wohl beliebtesten und vielseitigsten deutschen Schauspieler. Daneben war er aber auch Regisseur und Drehbuchautor.

Gwisdek war zweimal verheiratet, von 1984 bis 2007 mit der Schauspielerin Corinna Harfouch und seit 2007 mit der Schriftstellerin Gabriela Gwisdek. Aus der ersten Ehe stammen seine beiden Söhne Johannes (Musiker) und Robert (Schauspieler und Musiker).

Auf seinem Weg zur Schauspielerei musste Gwisdek einige Umwege nehmen.

So erlernte er zunächst den Beruf als Dekorateur und Gebrauchswerber. Danach arbeitete er einige Jahre als Plakatmaler, in der Gaststätte seiner Eltern und leitete selbst einen Jugendclub. In seiner Freizeit spielte er aber schon zu dieser Zeit an verschiedenen Bühnen. Außerdem begann er ein Fernstudium der Regie in Leipzig. Nach mehreren vergeblichen Anläufen konnte er ab 1965 schließlich sein Schauspielstudium in Berlin aufnehmen. Nach dem Studium arbeitete er für sechs Jahre in Karl-Marx-Stadt. 1973 holte ihn dann Benno Besson an die Berliner Volksbühne. Hier blieb er für 10 Jahre. Sein letztes festes Theaterengagement hatte er von 1983 bis 1987 am Deutschen Theater. Danach arbeitete er als Freier Schauspieler.

Für Film und Fernsehen war Michael Gwisdek bereits in den 60er Jahren tätig.

Eine seine ersten Kinorollen hatte er neben Gojko Mitic im Indianerfilm „Spur der Steine“. Bis Ende der 70er Jahre waren es meist Rollen als Kleindarsteller. Richtig in Schwung kam seine Filmkarriere durch Rollen wie die des ehemaligen Profiboxers Henry Wolters in „Olle Henry“ (1982) oder die als reicher Bankier Jakob Gontard in der Friedrich-Hölderlin-Verfilmung „Hälfte des Lebens“ von Herrmann Zschoche. 1988 stand er erstmals hinter der Kamera: „Treffen in Travers“ brachte ihm sofort eine Einladung zum Filmfest in Cannes ein, für die kleine DDR ein ungemeiner Erfolg. 

Michael Gwisdek ist einer der wenigen DDR-Schauspieler, der von der Wiedervereinigung profitiert hat und dessen Karriere im vereinten Deutschland erst so richtig in Schwung kam.

Seitdem hat er sowohl in Kino als auch im Fernsehen große Erfolge gefeiert. 1991 erhielt er den Deutschen Filmpreis in Gold für „Der Tangospieler“. Für seine Rolle in „Nachtgestalten“ bekam er 1999 den Silbernen Bär der Berlinale und den Ernst-Lubitsch-Preis 2000. Es folgte 2008 der Deutsche Fernsehpreis als Bester Schauspieler in einer Nebenrolle für „Das Wunder von Berlin“ und 2013 noch einmal der Deutsche Filmpreis. Diesmal als Bester Nebendarsteller für „Oh Boy“.

Zu seinen letzten Arbeiten gehörten im Kino „Kundschafter des Friedens“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Traumfabrik“. Ironischerweise alles Filme, die sich mit der DDR-Vergangenheit beschäftigen. Im Fernsehen war er in dem Familienfilm „So einfach stirbt man nicht“ und als Gast auf dem „Traumschiff“ zu sehen.

Im Fernsehen werden in den nächsten Tagen einige seiner populärsten  Filme wiederholt.

Den Anfang macht der RBB am Donnerstag, 20.15 Uhr mit „Die letzten Millionen“, DAS ERSTE zeigt am Samstag, 13.00 Uhr „Eins von Dir“.

Michael Gwisdek war in seinen Filmen vieles: Boxer, Unternehmer, miesepetriger Bauer, Lebemann, Rechtsmediziner, Kundschafter, Kommunist, Nachtgestalt. Auch auf den Roten Teppichen wurde es nie langweilig mit ihm. Ganz im Gegenteil, der Schauspieler war immer für einen Spaß zu haben. R.I.P. Michael, wir werden Dich vermissen.

Hier noch ein paar Bilder von ihm:

© Christian Behring im September 2020