Eingang zur Reha-Klinik Carolabad und Umgebung, Chemnitz-Rabenstein, 08.04.2019

CAROLABAD – Ein Missverständnis

Fünf Wochen lang währte dieses Missverständnis zwischen der Reha-Klinik CAROLABAD in Chemnitz-Rabenstein und mir.

Leider!

Leider änderte sich daran im Verlaufe meines Aufenthalts auch nichts. Und leider hat die Reha-Klinik  (bzw. deren Mitarbeiter) nichts dazu beigetragen, dies zu ändern. Beantragt habe ich die Reha beim Rententräger in erster Linie wegen meiner Angst- und Panikstörungen, meiner Schlafstörungen und der Depression. Aber auch wegen meiner physischen Probleme (Rücken, Knie, Fuß).

Zum Ende der Reha hatte sich überhaupt nichts davon verbessert.

Im Gegenteil:

Meine Probleme im Rücken haben sich noch verschlimmert, mein Bandscheibenvorfall im HWS-Bereich hat sich vermutlich noch verstärkt. Zumindest die Auswirkungen. Alle Symptome sprechen dafür (Kribbeln in den Fingern, Einschränkung beim Drehen des Halses). Aber in Carolabad hieß es einfach: „Sie müssen lernen, mit Ihren Schmerzen umzugehen.“ Ohne das durch eine genaue Untersuchung abzuklären. Deshalb bin ich aus der Reha direkt zu meinem Orthopäden gefahren. Auf eine genaue Diagnose warte ich noch. Es ist leider selbst in Berlin nicht so einfach, einen schnellen Termin für ein MRT zu bekommen.

Aber zurück zum Carolabad in Chemnitz.

Die ganze Reha lief von Anfang an ziemlich schief.

Mein Fehler war, dass ich mich im Vorhinein nicht ausreichend darüber informiert habe, dass hier unter Umständen sehr viele Hundebesitzer mit noch mehr Tieren sein können.

Genauer gesagt eine ganze Etage mit etwa 20 Zimmern. Und, dass die Reha-Einrichtung es mit den Vorgaben nicht so genau nimmt. Denn eigentlich dürften nur Hunde anreisen, die mindestens 6 Stunden allein sein können, ohne Krach zu schlagen. Wenn man das dann nicht aushält, muss nicht etwa der Hundebesitzer abreisen. Wahrscheinlich verdient die Klinik an Hundebesitzern mehr als an genervten Patienten.

Auch, dass hier Eltern-Kind-Kuren stattfinden, war mir vorher völlig entgangen.

Aber selbst wenn: Mir war nicht klar, dass es passieren kann, dass die Kleinkinder stundenlang Krach schlagen können, durch den Speisesaal toben oder einem beim Essen zwischen den Beinen umherkriechen, ohne dass es die Eltern oder das Personal stört. Und dass Beschwerden überhaupt nichts bringen.

Und bevor ich`s vergesse: dann waren ja noch die Bauarbeiten im Außengelände vom Carolabad.

Die Bauarbeiter, die die Wege neu pflastern, hatten sich anscheinend vorgenommen, mit dem Berliner BER in Konkurrenz zu treten. Vor meiner Anreise hatten sie schon angefangen und sind tatsächlich NICHT fertig geworden bis zu meiner Abreise. Vermutlich sind sie immer noch dabei. Hut ab!

Rückblickend wäre es wohl besser gewesen, wenn ich meinem ersten Gefühl nachgegeben hätte und gleich wieder abgereist wäre.

Aber da ist ja dann immer die Frage, wie das beim Rententräger ankommt und ob man dann eine andere Reha bekommen hätte und wenn ja, ob die besser gewesen wäre. Irgendwie ist man doch immer froh, überhaupt eine Reha bekommen zu haben. Bevor man sich ein schlechtes Gewissen macht, überlegt man sich das doch dreimal mit dem vorzeitigen Beenden.

Also hab ich mich überreden lassen, eine Woche auf ein anderes, ruhigeres Zimmer zu warten.

Genauso wie ich von Woche zu Woche in dem einen wöchentlichen Einzelgespräch mit der Therapeutin darauf gewartet habe, die Ursachen meiner Angst- und Panikattacken zu finden. Im Abschlußgespräch hieß es dann, dass ich weder Angst- noch Panikattacken habe. Das ist alles nur Stress! Allerdings steht sie mit der Meinung bisher allein da. Merkwürdig!

Und von der Ärztin bekam ich zu hören, dass ich die Reha jederzeit hätte abbrechen können. Also wieder alles falsch gemacht. Warum hab ich mich von der Therapeutin bloß immer wieder überreden lassen, nicht abzubrechen? Und auf die Frage, warum von vier Ärzten keiner eine orthopädische Ausbildung hat (bei so vielen Patienten, die neben psychischen auch tatsächlich ernsthafte physische Probleme haben), bekam ich als Antwort: „Soll der Ihnen den ganzen Tag den Rücken streicheln?“ Dann hätte ich mir keine psychosomatische, sondern eine orthopädische Reha suchen müssen. Fällt einem dazu noch was ein?

Was gibt`s sonst noch zu sagen?

Die Therapie-Angebote gingen in der Regel morgens um 9 Uhr los und endeten gegen 17 Uhr. Montag bis Freitag, wobei der Mittwoch  meist nicht so voll war und freitags war manchmal auch früher Schluss. Samstag gab es einen Vortrag, ansonsten war das Wochenende zur freien Gestaltung. Die Therapien waren natürlich immer Gruppentherapien. Meist im Wechsel Theorie-Vortrag zu Themen wie Schmerz, Depression, soziale Kompetenzen, Schlaftraining und Sport, Gymnastik, Tai-Chi, Yoga.

Frühstück gab`s 7.30 bis 8.30 Uhr, Mittagessen von 11.30 bis 13 Uhr und Abendbrot von 17.30 bis 19 Uhr.  Wobei es da nach 18.30 Uhr manchmal nur noch Reste gab. Mein „Highlight“ war eigentlich das Frühstück mit drei Sorten Marmelade, Nutella, Kaffee und bis zu fünf Sorten Brötchen. Da konnte man sich dann auch immer was für später mitnehmen, für den kleinen Hunger zwischendurch.

Bleibt noch die Frage danach, was hab ich mitgenommen aus den 5 Wochen Carolabad?

Irgendetwas Positives?

Naja, ich war zum ersten Mal in meinem Leben in Chemnitz. Ich hab den großen Karl Marx endlich einmal live gesehen und auch sonst einige Museen erstmals besucht. So wie das Industriemuseum, das Fahrzeugmuseum, die Kunstsammlung und das Museum Gunzenhauser (war das Beste!).

Dazu noch einen der sogenannten „Lost Places“ aufgesucht: Von den WANDERER WERKEN, einem der ehemals größten Industrie-Unternehmen der Stadt stehen noch ein paar historische Gebäude, allerdings völlig ausgeräumt.

Ansonsten bietet Rabenstein für Naturliebhaber eine ganze Menge an Möglichkeiten zum Wandern, Spazierengehen, Walken, Joggen oder Mountainbiken. So genau habe ich wahrscheinlich lange keine Gegend erkundet… Dementsprechend viele Natur- und Landschaftsaufnahmen sind in diesen 5 Wochen entstanden.  Auf den Foto-Touren habe ich ein paar ziemlich ungewöhnliche Äste und Baumstämme gefunden, mit Burg Rabenstein auch noch die kleinste Burg Sachsens gesehen. Und eigentlich war ich ja auch zur schönsten Jahreszeit da. Genau dann nämlich, als alles anfing zu blühen und hab dabei sogar ein paar Sonnenstrahlen abbekommen. Nicht zuletzt gab`s ein paar wirklich nette Mitpatientinnen….

PS:

Als ideales Trainingsgerät hab ich den Cross Trainer für mich entdeckt. Und das sogar, obwohl genau der nicht auf meinem Trainingsplan stand. Genauso wie Pilates, sanftes Dehnen und Yoga (war alles nur freiwillig, nicht im Reha-Plan vorgesehen).

Apropos Fotos:

Meine Fotos aus den fünf Wochen findet ihr alle auf meiner Photo-Webseite.

 

© Christian Behring im Juni 2019