Rückblick 2019 - "TESKEY BROTHERS", Showcase, Universal Music, Berlin, 11.07.2019

Mein Rückblick auf die Musik 2019

Schon wieder ist ein Jahr rum. Kaum zu glauben. Was bleibt im Rückblick auf dieses Jahr hängen? Welche Musiker oder Bands haben mit ihren Alben oder Konzerten überzeugt? Welche musikalischen Neuentdeckungen gab es in diesem Jahr? Um wen gab es den größten Hype? Gab es auch eine große Pleite, einen Reinfall? 

Auch dieses Jahr fällt es mir schwer, einen einzigen Interpreten, ein einziges Album oder den einen Hit des Jahres zu benennen.

Die größten Wellen geschlagen haben in diesem Jahr – nicht nur in Deutschland – wohl ziemlich eindeutig RAMMSTEIN. Mit ihrem am 17. Mai 2019 veröffentlichten 7. Studioalbum schafften sie nicht nur in Deutschland den Sprung auf Platz 1, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern, dazu erstmals Top-10-Platzierungen in England und den USA. In Deutschland belegen sie zudem Platz 1 der Jahrescharts. Außerdem gingen sie dieses Jahr erstmals auf große Stadiontour durch Europa. Der Run auf die Karten war so groß, dass nach wenigen Minuten die Server der Ticketverkäufer zusammenbrachen. 

Ein Musiker, der 2019 den Sprung von den kleinen Clubs in die großen schaffte und weltweit die Single-Charts stürmte, ist der Schotte Lewis Capaldi. 2018 spielte er noch im kleinen Privatclub in Berlin. Zum Jahresanfang ging er dann auf Tour mit BASTILLE. Da schaffte er es tatsächlich, als Support mit tosendem, lang anhaltendem Applaus verabschiedet zu werden. Und das war noch, bevor sein erstes Album erschien. Inzwischen hat er mit seinem Hit „Someone You Loved“ die weltweiten Charts gestürmt. Zum Jahresende war er dann schon im ausverkauften ASTRA und 2020 will er wiederkommen und die Verti Music Hall füllen.

Für mich persönlich kommen aber die größten Neuentdeckungen 2019 aus dem Bereich Blues-Soul-Jazz: Tiwayo, The Teskey Brothers, Black Pumas und Celeste.

The Teskey Brothers haben in diesem Jahr ihr zweites Album vorgelegt.

Allerdings ging ihr Debüt aus dem Jahr 2017 bis dato an mir vorbei. Das habe ich (leider) auch erst durch die Veröffentlichung des Nachfolgers kennengelernt, ansonsten wäre das mein Album des Jahres geworden. Durch die Einladung ihres Labels konnte ich sie bei einem 45-minütigen Showcase erleben. Einfach großartig! Phantastisch!!! Bei so etwas merkt man dann tatsächlich mal, wer wirklich musikalisch etwas drauf hat, wenn es diese ganzen Showelemente nicht gibt, sondern nur die Musik, rein puristisch eben. Ich bin schon sehr gespannt auf ihr Konzert im neuen Jahr.

Liam Gough (drums), Josh Teskey (vocals, guitar), Sam Teskey (guitar, vocals) (auf dieser Tour ohne Bassist Brendon Love), „TESKEY BROTHERS“, Showcase, Promotion für das Album „Run Home Slow“ (erscheint am 2.8.19), Universal Music, Berlin, 11.07.2019 (Photo: Christian Behring)

Bei Celeste hatte ich das Glück, sie gleich dreimal live zu erleben.

Und dann auch noch einmal in einem persönlichen Interview. Und ich muss sagen, sie wird von Mal zu Mal besser. Da bin ich gespannt, wie ihr Debüt-Album wird, das im März 2020 erscheinen soll. Vorab gab es für sie schon mal den BRIT-Award als „Rising Star 2019“.

CELESTE ( eine der Entdeckungen des Jahres 2019), Konzert im Maschinenhaus, Berlin, 23.09.2019

„CELESTE“, Konzert, Maschinenhaus, Berlin, 23.09.2019

Auf Tiwayo bin ich gleich zu Beginn des Jahres durchs Radio aufmerksam geworden.

Da war es für mich am schwersten, ein Rezensionsexemplar zu bekommen. In Deutschland gibt es tatsächlich keinen Ansprechpartner dafür, trotzdem Universal Music so groß ist. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Genauso wie es sich für Remi Tyo gelohnt hat, mit dem Produzenten der Black Keys zusammenzuarbeiten. Beim „radioeins-Parkfest“ hatte ich dann auch noch Gelegenheit, ein Interview mit ihm zu führen und ihn live zu sehen. Das Konzert war zwar auch nur eine knappe Stunde lang (weil live im Radio), aber die Stimmung echt super und auch insgesamt ein tolles Erlebnis.

TIWAYO (im Rückblick 2019 einer der Künstler des Jahres), Konzert, Park am Gleisdreieck, Berlin, 24.08.2019

„TIWAYO“, Konzert beim „Radioeins Parkfest“, Park am Gleisdreieck, Berlin, 24.08.2019

Wer jetzt noch fehlt, sind die BLACK PUMAS.

Deren Debüt erschien zwar schon im Frühjahr. So richtig angekommen bei mir (und wohl auch bei vielen anderen Fans) ist es Ende des Sommers.  Vielleicht auch, weil erst so nach und nach die Radiosender sie immer mehr gepusht haben. Sonst hätten sie vermutlich auch nicht den frannz club mit seinen etwa 400 Plätzen gebucht, sondern von vornherein einen größeren Laden. Zum Album-Start waren sie ja noch als Support der englischen Soul-Band THE HEAVY unterwegs. Aber aufgrund des immer größer werdenden Erfolgs kommen sie Anfang 2020 noch einmal zu uns. Dann ins viel größere Metropol. Der frannz club war jedenfalls brechend voll und „die Luft brannte“. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das im Metropol auch schaffen.

Saenger und Songwriter Eric Burton, BLACK PUMAS (im Rückblick 2019 eine der Entdeckungen des Jahres), Konzert der "Band der Stunde" im ausverkauften Frannz Club, Berlin, 12.11.2019

Wo meine Bilanz ein bisschen spärlich ausfällt, ist die deutschsprachige Musik.

Da ist mir nicht wirklich viel großartiges aufgefallen. Das war in den vorhergehenden Jahren schon mal ganz anders. Gut, es ist einiges Neues erschienen, allerdings war das dann doch mehr Masse als Klasse. Aber vielleicht wird das 2020 ja auch schon wieder ganz anders….

Was dagegen auffiel:

Dass 2019 die neue Generation anglo-amerikanischer Country-Stars den deutschen Markt für sich entdeckte. Wohl noch nie kamen so viele von ihnen entweder live zu Konzerten rüber oder stellten sogar ihre neuen Alben zuerst hierzulande vor. So wie etwa Kiefer Sutherland, der Wochen vor Veröffentlichung das neue Album beim ARTE-Live-TV-Konzert  im Schwuz vorstellte.

Kiefer SUTHERLAND, Konzert, METROPOL, Berlin, 04.10.2019

„Kiefer SUTHERLAND“, Konzert, METROPOL, Berlin, 04.10.2019

 

Rückblick auf die Alben des Jahres 2019:

Platz 1: „The Gipsy Soul Of Tiwayo“ – Tiwayo

The Gipsy Soul of Tiwayo ist im Rückblick 2019 mein Album des Jahres

Platz 2: „Run Home Slow“ – The Teskey Brothers

The Teskey Brothers - Run Home Slow - Albumcover

Platz 3: „Kiwanuka“ – Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka KIWANUKA - CMS Source

Platz 4: „The Black Pumas“

Platz 5: „SÜDEN II“ – Schmidtbauer-Pollina-Kälberer

Platz 6: „I Have Visions“ – Susan Wolf

Platz 7: „Let`s Rock“ – The Black Keys

Platz 8: „Fuel“ – SaraJane

Platz 9: „Modern.Retro.Soul“ – MIU

Platz 10: „A!“ – Alexa Feser

Auf den weiteren Plätzen 11 – 20 folgen:

„Divinely Uninspired To A Hellish Extent“ – Lewis Capaldi // „Singing To Strangers“ – Jack Savoretti // „Threads“ – Sheryl Crow //  „Das Beste zum 75.“ – Achim Reichel // „Smoke Signals“ – NO KING. NO CROWN. / „Reckless & Me“ – Kiefer Sutherland // „9“ – Jason Aldean // „Lambs & Lions“ Chase Rice // „Orion“ – X-Ambassadors // „Without Fear“ – Dermot Kennedy

Alben des Jahres nach Kategorien:

Album des Jahres deutsch: „A!“ – Alexa Feser

Debüt des Jahres international: „The Gipsy Soul Of Tiwayo“ – Tiwayo

Abschlussalbum zum Karriereende: „Threads“ – Sheryl Crow

Best-Of-Album: „Das Beste Zum 75.“ – Achim Reichel

Achim REICHEL, Konzert, Admiralspalast, Berlin, 26.10.2019

„Achim REICHEL“, Konzert im ausverkauften Admiralspalast, Berlin, 26.10.2019

Alternative-Rock-Album: „Orion“ – X-Ambassadors

Indie-Rock-Album: „Hypersonic Missiles“ – Sam Fender

Singer-Songwriter-Album: „Divinely Uninspired To A Hellish Extent“ – Lewis Capaldi

Blues-Rock-Album: „Let`s Rock“ – The Black Keys

Jazz-Liedermacher-Album: „SÜDEN II“ – Schmidtbauer-Pollina-Kälberer

Instrumental-Album: „Absinthe“ – Dominic Miller

Klassik-Album: „Piano Book“ – Lang Lang

Sampler des Jahres: „LATIN FLAVOUR CLUB II“

Meine Entdeckung des Jahres sind ganz eindeutig The Teskey Brothers.

Newcomer des Jahres als Band/ männlich/ weiblich: BLACK PUMAS / Tiwayo / Celeste.

Daneben aber seien auch noch als „Entdeckungen“ genannt die Hamburger Sängerinnen Miu und SaraJane, die Dresdner Band No King. No Crown. sowie der Country-Star Jason Aldean und der kanadische Gitarrist Jesse Cook.

© Christian Behring im Dezember 2019