Die ALTE NATIONALGALERIE feiert in diesem Jahr gleich dreifach:
1.: Die Museumsinsel gibt es seit 200 Jahren,
2.: Das Haus der ALTEN NATIONALGALERIE besteht seit 150 Jahren,
3.: Mit Paul Cassierer starb einer der bedeutendsten Berliner Galeristen vor 100 Jahren.
Einen Tod – noch dazu einen so tragischen wie diesen – sollte man ja eigentlich nicht feiern. Insofern würde es besser passen, wenn man sagt, man läßt ihn 100 Jahre nach seinem Tod noch einmal hochleben.
Paul Cassierer war seiner Zeit, also vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, der bedeutendste Galerist in Berlin.
Von seinem Kunstsalon im Tiergarten aus zog er die Strippen. Er hatte ein Netzwerk in alle wichtigen Hauptstädte Europas und bis nach Amerika geknüpft. Er eröffnete Dependancen in London und Amsterdam und brachte die französischen Impressionisten nach Berlin. Dass Bilder von Monet, Cezanne, Manet oder Sissley heutzutage in deutschen Museen hängen, ist im Wesentlichen ihm zu verdanken. Paul Cassierer hatte nicht nur persönliche Beziehungen zum damaligen Direktor der Alten Nationalgalerie Hugo von Tschudi, sondern eben auch direkte Verbindungen zu den französischen Künstler aufgebaut. Durch diese persönlichen Beziehungen konnte er ihre Werke an wichtige Museen in Berlin oder Dresden vermitteln. Durch seine erfolgreiche Tätigkeit lockte er auch viele deutsche Künstler aus München oder Dresden nach Berlin. Als Geschäftsführer der Berliner Secession prägte er ihr Profil und die international Ausrichtung. So fand auch die Avantgarde jener Jahre den Weg in die Ausstellungen des Kunstsalons. So wie Edvard Munch, Gabriele Münter, Oskar Kokoschka oder Ernst Ludwig Kirchner, die hier bedeutende Werke zeigen konnten.
Paul Cassierer hatte seinen Kunstsalon in der Viktoriastraße 35 anfangs noch gemeinsam mit seinem Cousin Bruno geführt.
Aber bereits nach wenigen Jahren trennten sie ihre geschäftliche Tätigkeit voneinander. Bruno Cassierer konzentrierte sich ab 1901 auf die Verlagsarbeit. Paul Cassierers Ausstellungen waren so erfolgreich, dass er über die Jahre die Ausstellungsfläche durch Anbauten vergrößerte. Leider kann man davon heute nichts mehr sehen. 1937 wurden die Erben enteignet, 1939 musste das Gebäude den Plänen zur Reichshauptstadt „Germania“ weichen. Heute befindet sich an der Stelle das Musikinstrumenten-Museum an der Ben-Gurion-Straße.
Paul Cassierer, der 1871 in Breslau zur Welt kam, entstammte einer großbürgerlichen Familie.
Er wuchs gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern in Görlitz und Berlin auf. Mit 22 Jahren ging er nach München, um Schriftsteller zu werden, kehrte dann aber nach Berlin zurück und gründete 1898 gemeinsam mit seinem Cousin Bruno den Kunstsalon. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Lucie Oberwarth lebte er ab 1904 mit der Schauspielerin Tilla Durieux zusammen. Sie waren eines der schillerndsten Paare der Berliner Gesellschaft. Nach längeren Spannungen zwischen den Beiden kam es am 5. Januar 1926 zum Scheidungstermin. Nach der Unterschrift verließ Cassierer den Raum und schoß sich in die Brust. Zwei Tage später verstarb er.
Der Salon wurde noch bis 1933 von seinen Geschäftspartnern weitergeführt. Die Filialen im Ausland wurden noch bis in die 1970er Jahre weitergeführt. Heute existiert noch das Archiv Paul Cassierer & Walter Feilchenfeldt in Zürich.
Cassierer und der Durchbruch des Impressionismus
Alte Nationalgalerie, Museumsinsel Berlin
22. Mai bis 27. September 2026
Im Zusammenhang mit der Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm (Führungen, Angebote für Familien, Schulen, Gebärdensprache, Prjekttage etc.).
Dazu erschien ein Katalog in Deutsch bzw. Englisch (264 Seiten, 208 Abbildungen, Preis: 50,- € im Buchhandel)
Hier ein paar Fotos aus der Ausstellung:
Quelle: Museumsinsel Berlin / Alte Nationalgalerie
© Christian Behring im Mai 2026





